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Mit Tränen in den Augen haben sich gestern Morgen die sechs Lehrer von der Insel Sansibar (Tansania) von ihren Dabendorfer Gastgebern verabschiedet. Während der kommenden Tage werden die Schwarzafrikaner in Hamburg in speziellen Seminaren auf den Kolonialspuren wandeln und anschließend den Harz besuchen. Am 1. März geht ihr Flugzeug nach sechs Wochen Aufenthalt in Europa wieder in Richtung Heimat.
Für den Biologie- und Gesellschaftskunde-Lehrer Khalfan Mwita aus dem Dorf Chukwani waren es lehrreiche zwei Wochen an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in Dabendorf. "Mich hat besonders die Unterrichtsmethodik der hiesigen Pädagogen interessiert und beeindruckt", erzählt er. Ungewöhnlich für alle Sansibaris sind die gleichberechtigten Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern. "Bei uns herrscht da doch noch eine ganz andere Distanz und Hierarchie", so Mwita. "Wahrscheinlich sind die Schüler hier deshalb auch so selbstbewusst und freundlich." Während der Hospitationen seien die Dabendorfer Schüler interessiert und hilfsbereit gewesen. "Wir haben manchmal einfach die Rollen getauscht, da waren sie die Lehrer und wir die Schüler."
Am meisten hat sich Khalfan Mwita über ein Mikroskop gefreut, das ihm seine deutschen Kollegen zum Abschied schenkten. "Ich unterrichte zwar Biologie, kenne ein Mikroskop aber nur aus der Theorie. Ich habe noch nie eins gesehen, geschweige denn damit gearbeitet", sagt er gerührt.
Uta Hinze, Sozialarbeiterin an der Schule, hat die weit gereisten Gäste in Zusammenarbeit mit den Regionalen Arbeitsstellen für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule Brandenburg e.V. (RAA) in die Region geholt. Begeistert berichtet sie von den Projekten, die die Sansibaris gemeinsam mit den Dabendorfer Schülern und Lehrern erarbeitet haben. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch präsentiert. "Im Projekt Geschichte haben unsere Gäste vom Schicksal des Sklavenmädchen Siwima berichtet", erläutert Hinze. "Unsere Schüler haben das aufgegriffen, sich eigene Texte dazu erarbeitet und das Leben von Siwima nachgespielt." Dafür hatten die Lehrer aus Sansibar extra traditionelle Kostüme aus ihrer Heimat mitgebracht. "Im Geografie-Projekt wurde ein Flug nach Sansibar und der Besuch eines traditionellen Basars nachgespielt. "Unsere Mädchen und Jungen haben von unseren Gästen die typischen Gewürze bekommen", so Hinze.
Das Ergebnis des Sprachen-Projekts war ein Lied auf Suaheli, dass die Schüler gemeinsam mit den Gastlehrern einstudiert haben. Natürlich wurden afrikanische Gerichte und Getränke, aber auch typische Bekleidung vorgestellt: Die Original-Schulkleidung, die auf Sansibar Pflicht ist, Freizeitbekleidung, ein Bet- und sogar ein Hochzeitsgewand wurden von den Dabendorfern perfekt in Szene gesetzt. "Der Besuch war ein Gewinn für unsere Schule", sagt Uta Hinze, "und der Kontakt ist mit der heutigen Abreise nicht zu Ende." Im Sommer werden vier Lehrer zum Gegenbesuch nach Sansibar starten. "Und wir werden eine Arbeitsgemeinschaft Tansania bilden mit dem Ziel, in Zukunft Schülergruppen auszutauschen.
Als gestern der Kleinbus für die Sansibaris in Dabendorf hielt, drang lautes Gejohle aus den Fenstern des Schulgebäudes. Keiner wollte sich nehmen lassen, Abschied zu nehmen. "Was heißt: Ich liebe dich auf Suaheli?", war die letzte Frage der wissbegierigen Schüler: "Nakupenda", erwiderte Khalfan Mwita.

MAZ-Artikel von Heidi Borchert
Geschwister-Scholl-Schule Zossen, Triftstraße 3, 15806 Zossen/OT Dabendorf, Tel.: 03377/334324, Fax.: 03377/303368, eMail: Scholl-Gesamtschule.Zossen|at|Schulen.Brandenburg.de